News | Resonanz


29.12.2014 | Wiesbadener Kurier

ZDF-Korrespondent Uli Gack erzählt in Stephanshausen von seinen Auslands-Einsätzen


Winfried Rathke (links) stellte die Fragen und Uli Gack berichtete von den Brennpunkten dieser Welt. Dabei kamen auch Dinge zur Sprache, die in den Nachrichten sonst keinen Platz finden.
Foto: RMB/Heinz Margielsky


Von Christina Schultz 30.12.2014

STEPHANSHAUSEN - „Das Beste zum Schluss“, so formulierte Volkmar Nägler die letzte Veranstaltung in der Alten Schule zum ausgehenden Jahr. Unter dem Titel „Reporterleben 2014“ erzählte der Journalist und ZDF-Auslandskorrespondent Uli Gack von Brennpunkten dieser Welt und berichtete über Dinge, die in den Nachrichten sonst keinen Platz finden.
Eine Rückblende der besonderen Art, authentisch, fesselnd und ungeschminkt, die dem Zuhörer eine ganz persönliche Auseinandersetzung mit den Krisen in 2014 möglich machte. Wo sonst in gepflegter Clubatmosphäre mit ansprechenden Musikprogrammen die pure Lebensfreude herrscht, ging es hier um keine herkömmliche Unterhaltung; das Publikum begab sich ganz bewusst in eine völlig andere Welt.


Fesselndes Programm

Als kompetenter Moderator fungierte Buchautor und Kulturhistoriker Winfried Rathke, der mit fachkundigen Fragestellungen und einfühlender Gesprächsführung den Erzählungen aus dem Arbeitsalltag Uli Gacks die entsprechende Richtung vorgab. Hatte das Talkshow-Team Gack-Rathke schon im vergangenen Jahr auf den gediegenen Chesterfield-Sesseln der Alten Schule Platz genommen und dem Publikum einen unvergesslichen Abend beschert, war es in diesem Jahr nicht anders. Zwei Stunden Informationen und Hintergründe hautnah zu erleben, mit begleitendem Bildmaterial und Ausschnitten aus Reportagen im Hintergrund, erwiesen sich trotz gewichtiger Informationsflut als fesselndes Programm, das an zwei Abenden keinen Stuhl mehr freiließ.

Absolute Stille im Publikum, das so gebannt den Erzählungen folgte, dass kaum jemand die Zeit fand, Fragen zu stellen. Als bleierne Zeit, „als wäre man in einem Schwitzkasten“, bezeichnete Gack seinen Einsatz in der Ukraine während der Krim-Krise. Von Volksschutzleuten miserabel behandelt und von russischen Separatisten ausgeplündert, entlarvte Gack die pro-russischen Demonstrationen auf der Krim als Glasnost fürs Fernsehen: „Die haben die Leute in Bussen hergekarrt, ihnen Lunchpakete und Fähnchen ausgeteilt und die Szenen geprobt.“

Auch die schwierige Gemengelage im Nahostkonflikt, die niemand mehr entwirren könne, und die heutige Situation durch Luftangriffe im Gazastreifen waren Thema des Abends. „Die Mauern zwischen Gaza und Jerusalem werden immer höher.“ Vom Kalkül auf allen Seiten und einem äußerst gespenstischen Interview mit Israels Premier Netanyahu erfährt das Publikum ebenso, wie der erschreckende Bericht über Bombardements auf Kinderkliniken.


Hoffnung für Afghanistan

Schreckliches kommt zur Sprache beim Horror im Nordirak. Tod, Verschleppung und Folter, Erlebtes und in Interviews Festgehaltenes, Frauen als Sklaven von IS-Kämpfern. Der Kampf um Ressourcen und Macht. Doch einen Silberstreif am Horizont macht Uli Gack aus: Nach 13 Jahren Berichterstattung aus Afghanistan gebe es Hoffnung, die unterdrückten Frauen machen mobil, durch den ersten demokratischen Machtwechsel erlebt das Land eine Veränderung.

Am Ende des Abends dann Durchatmen bei den Gästen, der gereimte Rückblick auf 2014 humorig verpackt von Winfried Rathke und der Dank Volkmar Näglers an ein großartiges Publikum, mit dem er auf drei erfolgreiche Jahre Kultur in der Alten Schule zurückblicken kann und dem er großen Respekt vor den auftretenden Künstlern attestiert.

 

 

 

29./30.12.2013 | Rheingau Echo

Dr. Winfried Rathke - Im Slalom zwischen Krisengebieten“ Talkshow mit ZDF-Reporter Uli Gack


Talkmaster Winfried Rathke mit Uli Gack - 2013

Geisenheim. – Die “Alte Schule” in Stephanshausen ist eine ganz besondere Rheingauer Location. Innen und außen runderneuert, perfekt zu einer modernen Kleinkunstbühne mit nostalgischem Flair gestylt, bot sie bisher hochkarätige Musik- und Comedy- Veranstaltungen. Die beiden quirligen neuen „Schuldirektoren“ Sabine Bierfreund und Volkmar Nägler entwickelten aber über Weihnachten innerhalb von wenigen Minuten ein weiteres Format, mit dem sie ihren wachsenden Freundeskreis überraschten. Kurze Anrufe beim ZDF-Reporter Uli Gack und beim Kunstvereinsvorsitzenden Dr. Winfried Rathke genügten und eine Polit-Talkshow war geboren. Innerhalb von Stunden waren zwei Abende ausverkauft und der Reinerlös wanderte in die Kasse der geplanten Stephanshäuser Genossenschaft, die einen neuen Dorfladen einrichten will. ZDF-Reporter Uli Gack, Neubürger von Stephanshausen, legte von aktuellen Bildserien unterstützt, einen wahren Slalom zwischen Katastrophenszenarien und Krisengebieten hin. In einer vor Spannung geradezu knisternden Atmosphäre berichtete er über die vernichtende Flutwelle an der philippinischen Küste, über seine Eindrücke bei der türkischen Protestbewegung in Istanbul, das Triumphgeschrei libyscher Milizen nach dem Sturz Gaddafis und den seit über zehn Jahren dauernden Afghanistan-Konflikt. Daneben kamen die Rebellion in Ägypten, die Hungersnöte am Horn von Afrika und der blutige Kampf in Syrien zur Sprache. Natürlich ging es auch um ethnische und religiöse Auseinandersetzungen. Die Turbulenzen der großen Weltpolitik waren damit in der “Alten Schule” von Stephanshausen zu Gast, das Publikum konnte interaktiv seine Fragen loswerden und die beiden Akteure auf der Bühne entfachten ein Feuerwerk von unterhaltsamer Information. In Tacloban arbeitete Uli Gack mit seinem Team unter freiem Himmel inmitten von Trümmerbergen. Notstromaggregate ermöglichten eine funktionierende Nachrichtenübermittlung. Die Stadt war noch von Toten übersät, verletzte obdachlose Menschen irrten umher, Kinder hatten ihre Eltern verloren, Hunger entstand, das Trinkwasser war verschmutzt. Aber trotz aller Trauer und Verzweiflung half die leidende Bevölkerung den Reportern, die tagelang kaum Schlaf fanden. Gerade durch die hautnah vor der Katastrophe entstandenen Bilder wurden im fernen Europa und Amerika Hilfsaktionen ausgelöst. In Libyen erlebte Gack eine jubelnde Menge, die sich von ihrem Despoten befreit hatte. Waffenstarrende Milizionäre jagten Soldaten des alten Regimes. In Tripolis und Benghasi kochte die Stimmung hoch. Hasserfüllt die einen, freudestrahlend die anderen, so umtanzten die Menschen den Reporter. Mitten in der sehr disziplinierten türkischen Protestbewegung im Gezi-Park von Istanbul erlebte Gack die brutalen Übergriffe der Polizei. Mit Schlagstöcken und Gas wurden friedliche Menschen wie Freiwild herumgejagt, mit rücksichtsloser Gewalt trieb die Staatsgewalt ihre Wutbürger auseinander. “Nach Kunduz kommt man nur zum Sterben”. Mit diesem Sprichwort begrüßten Afghanen vor zehn Jahren den deutschen Reporter, der nicht ahnte, dass aus Wiederaufbau-Projekten im Norden des Landes ein regelrechter Krieg entstehen könnte. Gewiss, es wurden Brunnen gebohrt, Straßen gebaut, Schulen und Krankenhäuser errichtet. Es gab auch Freundschaften zwischen manchen ISAF-Soldaten und einheimischen Clan-Chefs. Aber 35 Jahre Krieg haben das Land verwüstet und Menschen verroht. Überall gibt es Attentate und Überfälle. Taliban und Al Qaida- Banden marodierten herum. Der Opiumanbau spült Geld in die Taschen korrupter Politiker. Kinder werden einer Gehirnwäsche unterzogen und zu Selbstmordattentätern gemacht. “Allah ruft Dich!” wird ihnen einsuggeriert. Und wenn die Eltern mittellos sind, am Rande des Hungertods dahinvegetieren, dann rekrutiert man Kinder als Bomben, die die fremden „Ungläubigen“ beseitigen sollen. Weit über zwei Stunden verblüffte Gack das Auditorium mit ungeschminkten Berichten zur aktuellen Lage. Der alte Globetrotter Rathke brachte geschichtliche Hintergründe ins Spiel, erzählte von archäologischen Schätzen und der ethnischen Vielfalt Afghanistans. Er musste aber feststellen, dass sein Gesprächspartner auch auf diesen Gebieten genauestens Bescheid wusste. Er war auch mit Alexanders Kriegszügen, den baktrischen Diadochen, den Horden Dschinghis Khans und der tausend Jahre währenden buddhistischen Kultur des Landes bestens vertraut. So konnte das Publikum mit einer Fülle von Informationen die Alte Schule verlassen.




31.01.2009 | Christa Kaddar (
www.christakaddar.blogspot.com )

Winfried Rathke - Immer in Sachen Kultur unterwegs


Winfried Rathke mit seiner Ehefrau

„Der Gang in ein Museum kann ein kolossaler Spaß sein“, sagt Dr. Winfried Rathke, der in seinen Vorträgen Wissen und Satire gleichermaßen rüberbringt. Anhand von zwei Schauplätzen, dem Louvre in Paris und den Uffizien in Florenz, führte er dies mit Diapositiven auch den Gästen in Eltville-Rauenthal anschaulich vor. Dort unterstützte er mit seinem Benefiz-Vortrag im vergangenen Herbst den Erhalt des Kultur- und Tagungshauses. „Die Mona Lisa des Leonardo da Vinci ist nicht nur Mittelpunkt einer großartigen Kunstsammlung, sondern mit ihrem unergründlichen Lächeln auch Gegenstand vieler Satiren in Wort und Bild“, erklärte Rathke, der aus seinem eigenen Gedicht über die „Gioconda“ zitierte: „Ist das Lächeln, wenn wir hinsehn, nur ein Lächeln – oder Grinsen? Vorher lächelte man nie so. Warum tut das Mona, wieso?“ Zu den vielen Exponaten, die Rathke vorstellte, zählte auch das Tizian-Gemälde „Diana und Actaeon“, das zu dem Zeitpunkt auch im Mittelpunkt der Düsseldorfer Ausstellung „Verbotene Blicke auf die Nacktheit“ stand. Es zeigt einen Jäger, der unversehens in eine Gesellschaft von badenden weiblichen Schönheiten gerät. Daraufhin verwandelt ihn die erzürnte Jagdgöttin Diana zur Strafe in einen Hirsch, der von seinen eigenen Jagdhunden zerfleischt wird. „So entstand das Jägerschnitzel“, ulkte Rathke und gestand, dass ihn dieses Bild vor 15 Jahren zum Schreiben seines ersten Buches „Sex and Crime bei den alten Griechen“ angeregt habe. Nach Rathkes Beobachtungen werden mythologische Geschichten heute kaum noch verstanden. „Der antike Wissensstoff ist fast verloren gegangen. Viele Kunstwerke in den Museen erschließen sich daher dem Betrachter nicht mehr“, stellte Rathke fest.

Unterhaltsam präsentierte er auch die Geschichte eines Gemäldes von Dominique Ingres, das „Türkische Bad“. „Diese Ansammlung von Nackedeis, die der Maler aufgrund von Erzählungen über orientalische Haremsszenen schuf, landete im Boudoir eines türkischen Diplomaten, später über dem Bett des französischen Psychoanalytikers Lacan.“ Diese „Badeszene“ und viele andere berühmte Kunstwerke hat der Satiriker Volker Brummig, in seinem Buch „Die TED-Galerie“ mit Teddy-Bären nachgestellt. Die Teddybär-Satiren sorgten an jenem Abend für große Heiterkeit beim Publikum. Auch Rembrandts „Anatomie von Dr. Tulp“ zeigt eine Gruppe sezierender Professoren, vor einer Männer-Leiche. Dieses Horrorbild wirkte wiederum aberwitzig komisch, sobald die Wissenschaftler – in Brummigs Version – durch Teddybären ersetzt waren.

Wie immer bei Winfried Rathkes Diavorträgen war seine Frau Karin im Hintergrund am Dia-Projektor in Aktion. „Meine Frau ist zuständig für die Technik, sie ist meine ‚Notbremse’, meine Zeitverwalterin – sie ist mein Ein und Alles“, gesteht er. Das genau braucht auch der Augenarzt im Ruhestand, wenn er mit schwindelerregendem Tempo und vollem Terminkalender durchs Leben rast: Als Kulturhistoriker, Reiseleiter, Referent, Buchautor, Humorist, Satiriker, Liedermacher, Kunstkenner und Maler. Jetzt hat er auch seine eigene Homepage: www.winfried-rathke.de 

Mein Beitrag über diesen Vortrag ist am 6. November 2008 im Rheingau Echo erschienen